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Fasching? – blutige Randsteine!

Randsteinnotiz #07

Die russische Luftwaffe bombardiert Kiew, Charkiw, Lwiw, Mariupol und, und … . Russische Raketen und Granaten treffen punktgenau militärische und zivile Ziele in der Ukraine. Russische Panzer rollen, russische  Soldaten marschieren in die Ukraine. Hunderttausende fliehen, suchen Schutz vor Krieg, Zerstörung und Tod! Aberwitzige Vorwände, abstruse Verschwörungstheorien eines russischen Präsidenten, um ein Land von seiner demokratisch gewählten Regierung zu „befreien“! Unschuldige Kinder und Frauen sterben, „schuldige“ (???) Männer/Soldaten werden „neutralisiert“, sie haben ja keine Partner*Innen, Eltern, Kinder, sie haben keine Seele, sind letztendlich nur „Helden“, die ihr Leben fürs Vater-/Mutterland verschenken!

Europaweit werden Karnevals- und Faschingsumzüge nicht nur wegen der Coronapandemie abgesagt, oder wie in Köln zu großen Friedensdemonstrationen umgewandelt, bei denen Empathie und Solidarität mit der Ukraine tausendfach bekundet wird. Zigtausende demonstrieren weltweit für eine unabhängige Ukraine und gegen einen russischen Diktator, der seine MitbürgerInnen als SoldatInnen missbraucht! Währenddessen findet in Hornstein ein Faschingsumzug, der mit Pauken und Trompeten eingeläutet wird,  ganz ohne blaugelbe Solidarität statt. Lächerlich und klein, im Angesicht der massiven Katastrophe!

Noch etwas Banales im Sinne von Geistlosem und Nichtssagendem! Am Freitag letzter Woche durfte im Club 3, ein vom Herausgeber des Profils als Historiker oder zumindest Geschichtslehrer Gebauchpinselter über Asyl für Flüchtlinge aus dem Kriegsgebiet sinnieren: „Die Ukrainer müssen in der Ukraine bleiben und letztlich ihr Land verteidigen. Was wäre gewesen, wenn alle Österreicher nach 1945 geflohen wären?“ Um nur ja nichts aus dem Zusammenhang zu reißen: Er hat auch gesagt, dass wir den Flüchtlingen Asyl geben müssen! Aber: Wir alle, das heißt auch alle GeschichtslehrerInnen in Österreich wissen ja, dass sowjetische Befreier im Jahre 1945 gleichzusetzen sind mit russischen Invasoren im Jahr 2022!

Und in der Folge bleibt die Frage nicht, ob die Ukrainerinnen und Ukrainer, die im Moment ihre Heimat verteidigen, gleichzusetzen sind mit österreichischen und deutschen Nazis, die Angst vor den Russen hatten und deshalb ihr Vaterland bis zum letzten Atemzug gegen die Befreier verteidigten. Hat er das so gemeint oder einfach so daher gesagt? Ist es Unwissenheit und Dummheit oder Zynismus und politisches Kalkül, um den rechten Stammtisch zu bedienen? Die häufige Verwendung von Krise statt Krieg im Zusammenhang mit der Ukraine legt zweiteres nahe, da das Gespräch ja nicht so verlief, dass linkslinke Journalist*innen (VertreterInnen vom Profil, der Krone und dem Kurier) den Gesprächspartner in die Zange genommen oder menschenverachtend ausgefragt hätten.

Es gibt aber immer noch eine Steigerung: Der Geschichtslehrer wehrt sich gegen Aufforderungen, den Vorsitz im ÖVP-Korruptions-Untersuchungsausschuss zurückzulegen: „Es wird nicht möglich sein, mit permanenten Unterstellungen jemanden rauszukicken! Dann könnte man auch die Zweite Präsidentin und den Dritten Präsidenten rauskicken. Und wer soll es dann machen? Das haben wir schon einmal gehabt – 1933.“

Die Aufforderung der Opposition und des Koalitionspartners die Führung im Ausschuss zurückzulegen gleichzusetzen mit einem Streit im Plenum des Nationalrats 1933 über einen Eisenbahnerstreik und die daraus resultierenden Folgen (mit Rücktritt des Präsidiums und anschließender durch Dollfuss angeordneter Polizeigewalt, um ein neuerliches Zusammentreten des Parlaments zu verhindern) ist schlicht unwürdig und wieder mit der Frage zu versehen, dumm oder absichtlich?

Zur Beruhigung der wohl meisten Eltern dieses Landes ist anzuführen, dass dieser Mann mit seinen kruden historischen Ansichten seit 1992 sein Lehramt für Geschichte an keinem Gymnasium mehr ausübt. Als formal „zweithöchste“ Person im Staat liefert er aber mehr als einen Grund zum Fremdschämen.

Über diese Initiative

Die Initiative Zukunft Hornstein ist ein Dialog- und Bürgerforum für die Menschen der Gemeinde Hornstein.

Wir sind ehrenamtlich engagiert und haben es uns zum Ziel gesetzt, die Entwicklungen in Hornstein zu verfolgen, darüber zu informieren, Ideen einzuholen sowie selbst einzubringen, kritisch zu hinterfragen und zur Diskussion zu stellen.

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